Wittenberge, Mietwohnhaus 1899, Massivbau mit Satteldach, Bauherr: August Arndt (Schneidermeister), Ausführung: Hermann Löther (Maurermeister, Zimmerer), Erfassung 2025.
Straßenseitig ein traufständiger, dreigeschossiger, zehnachsiger Massivbau. Die Fassade aus verputztem Ziegelmauerwerk mit Putzquaderung, gegliedert von Gesimsen und Risaliten. Die Galgenfenster aus Holz, vermutlich bauzeitlich, teils mit Verzierungen am Kämpfer, teils Kunststofffenster. Der Kellersockel mit kräftiger Putzquaderung und Sockelgesims. Die eingetieften Kellerfenster aus Holz mit Vergitterung aus Eisen, eingefasst von glatten Putzrahmungen mit Schlussstein. Im Erdgeschoss fast mittig der Hauseingang mit einstufigem Antritt. Der Eingang portikusartig gestaltet mit korinthischen Säulen auf Pfeilern sowie gerader, profilierter Verdachung. Darüber Dreiecksgiebel auf Pilaster mit Putzspiegel. Die bauzeitliche zweiflügelige, kassettierte Tür aus Holz mit Fenstern und Oberlicht. Der Übergang zum Hochparterre mit profiliertem Gurtgesims. Ab hier feine Putzquaderung. Die Fenster eingefasst von profilierten Putzrahmungen mit Eckquadern und Schlussstein […].
Schwedt, Ringstele von Axel Schulz, „Geschichte von Schwedt“, 1971, Material: Edelstahl, Stahl, Zink, Beton. Erfassung 2021.
Die städtebaulich hervorgehobene Positionierung in Sichtachse der Straßen bewirkt eine gute Verbindung von Kunst und Städtebau an dieser Stelle. Thema ist der Bezug zur Geschichte der Stadt von 1958 bis 1971. Darin Szenen aus der Tätigkeit der Bau- und Montagearbeiter, Anlagen des Erdölverarbeitungswerkes, junge Paare und eine Kindergärtnerin mit ihrer Kindergruppe. Die Motive von Industrie und Aufbau dominieren. Die Ringstele ist über Verbindungsstege an vier Rundpfeilern befestigt. Es entsteht der Eindruck eines schwebenden Ringes.
Die thematische Zuordnung – Aufbau des Sozialismus, die sozialistische Arbeitswelt, Industrie und Landwirtschaft, Kollektivbildung, die Herausbildung der „allseits gebildeten sozialistischen Persönlichkeit“sowie Ehe und Familie als „Keimzelle der sozialistischen Gesellschaft“.
Cottbus, Wandbild, Mosaik von Dieter Dressler „Sorbische Marktszene/Cottbusser Bauernmarkt“, 1970, Material: Glas und Naturstein. Erfassung 2021.
Auf dem Mosaik ist eine typische Marktszene dargestellt. Vor einem Stand bietet ein stehender Mann Fische und eine sitzende Frau in sorbischer Tracht Tomaten, Gurken und anderes Gemüse zum Verkauf an. Drei weitere Frauen in sorbischer Tracht betreten mit Körben den Markt. Charakteristisch sind ihre Röcke und Kopfbedeckungen. Das Kunstwerk stellt zwar eine alltägliche Szene dar, doch schafft sie auch einen Bezug zur besonderen Identität der Sorben in dieser Region. Kunstwerke im öffentlichen Raum mit Bezug zur sorbischen Tradition sind ein Beleg dafür, dass die DDR-Kulturpolitik die Sorben als nationale Minderheit anerkannt und auch deren Sprache und Kultur gefördert hat. Damit ist dieses Mosaik zugleich ein Beispiel dafür, dass es neben den weit verbreiteten, propagandistisch geprägten Kunstwerken auch solche ohne vordergründige politische Aussage gibt.
Örtliche Zuordnung: Außenwand an der ehemaligen HO-Gaststätte „Am Stadttore“, welches sich an der Stadtpromenade nahe dem ehemaligen Stadttor befindet.
Die thematische Zuordnung – Aneignung des fortschrittlichen kulturellen Erbes als Teil des zunehmenden Bedürfnisses nach identitätsstiftender Erinnerungskultur in der DDR.
Frankfurt (Oder), Denkmal von Arnd Wittig „Antifaschistischer Widerstand/Denkmal für die Opfer des Faschismus“, 1985, Material: Lausitzer Syenit; Erfassung 2021.
Drei Figuren verkörpern grundlegende Positionen in der Bildhauerei: stehen, sitzen, liegen. Allen Figuren gemeinsam ist die Trauer um die Opfer des Faschismus. Der Gesamtaufbau ergibt eine Dreieckskomposition. Die Anordnung wird bestimmt von einer toten, liegenden Figur, an deren Seite eine hockende Frau und zu deren Füßen zwei stehende Personen trauern. Ähnliche Figurengruppierungen finden sich bei vielen Denkmalensembles zumeist in den 1940er- und 1950er-Jahren. An solchen Denkmalorten fanden zu bestimmten Anlässen feierliche Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen statt. Ende der 1970er-Jahre beschloss der Rat der Stadt die Errichtung eines neuen Mahnmals an der Rosa-Luxemburg-Straße. Arnd Wittig schuf dieses Denkmal in Absprache mit dem Frankfurter Stadtarchitekten Manfred Vogler. Die Lage an der Straße zur Grenze nach Polen wurde bewusst als Zeichen der Verbundenheit gewählt. Ebenso absichtsvoll erfolgte die Wahl des Aufstellungsortes nahe dem damaligen Lehrerbildungsinstitut, das heute als Gymnasium dient. Nach wie vor fordert das mit seiner Hauptansicht zum Schulbau ausgerichtete eindrucksvolle Denkmal Erinnerung ein und erhebt gegenüber der jüngeren Generation damit zugleich einen Bildungsanspruch.
Die thematische Zuordnung – NS-Widerstandsbewegung, Erinnerung an die Opfer des Faschismus, Lernen und Lehren, Herausbildung der „allseits gebildeten sozialistischen Persönlichkeit
Berlin, Garagenanlage + Wohnhaus, Massivbau, 1929/1930, Umbau 1935, Bauherr „Derop“, Entwurf und Ausführung: Hermann Mannkopf, Alfred Wiener und Hans Jaretzki (Ingenieur), Baudenkmal.
[…] Die Schauseite an der Stubbenkammerstraße besteht aus in der Höhe gestaffelten, schwungvoll eingekurvten, teils aus Sichtmauerwerk gefertigten, teils aus gelb und braun verputzten Baukörpern. In den oberen Geschossen und dem dahinter liegenden Wohnbereich sind ein- und mehrbahnige, hochrechteckige und querrechteckige Fenster in die Fassade eingearbeitet. Weit auskragende Vordächer in einer rechtwinkligen Form markieren die Toreinfahrt. Das zweiflüglige Gittertor aus Eisen besteht aus flachen, spitz auslaufenden, vertikalen Streben und dazwischenliegenden spiralförmigen Streben sowie quer verlaufenden Streben. Der über der Toreinfahrt angeordnete Baukörper mit dem dahinter liegenden Wohnbereich aus Sichtmauerwerk (Klinker) zeigt an seiner Westseite einen halbrunden Abschluss. Ein horizontal verlaufendes Fensterband ist mittig angeordnet. Darüber ein kleiner, rechteckiger Dachaufbau mit Fenstern, teils Sichtmauerwerk (Klinker), welcher sich im Verband deutlich von der darunterliegenden Klinkerwand absetzt, teils verputzte Fassade. Dachaufbau und ein gemauerter Schornstein auf dem Flachdach bilden den oberen Abschluss der Toreinfahrt […].
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Für den Bereich Denkmalschutz, Bau- und Kunstdenkmalpflege führe ich wissenschaftliche Inventarisierungen und Erfassungen durch: Wandbilder, Mosaiken, Skulpturen, Plastiken, Brunnen und Platzanlagen sowie historische Gebäude. Die Erforschung und Erfassung der baugebundenen und baubezogenen Kunst, der Bau- und Stadtgeschichte, insbesondere von historischen Gebäuden in Städten, Ortsteilen und Gemeinden dient als Grundlage, um herausragende Bau- und Kunstwerke aufgrund ihrer künstlerischen Gestaltung, ihrer Werktechnik, ihres städtebaulichen Bezuges oder ihres geschichtlichen Kontextes festzustellen und bei Erfüllung der Kriterien unter Denkmalschutz zu stellen – und somit für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.
Dieser Link führt Sie auf die Website des Denkmalamtes. In der Fachzeitschrift „Brandenburgische Denkmalpflege“ (2022/1, Geymüller Verlag) ist ein Inventarisierungsprojekt (Schwedt/Oder) von mir publiziert worden.